Unsere Nase

Sie steht mitten im Gesicht. Bereits innerhalb der ersten Sekunde eines Kennenlernens schaut unser Gegenüber auf die Nase. Daher ist die äußere Erscheinung  einer Nase von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig übernimmt unsere Nase wichtige Grundfunktionen zur Erhaltung der Gesundheit. Sie ist ein hochkomplexes Organ mit vielfältigen hochspezialisierten Funktionen.

Somit stellt die Chirurgie der Nase besonders hohe Anforderungen an den Chirurgen. Vereinte Erfahrungen auf dem Fachgebiet der Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde und der plastischen und rekonstruktiven Gesichtschirurgie bilden das optimale Rüstwerk diesen Anforderungen gerecht zu werden.

KAI U. NAGEL

„Das Bestreben meiner Nasenchirurgie ist stets eine sanfte und harmonische Nasenform mit gleichzeitig müheloser Nasenatmung zu schaffen. Letztlich funktioniert die Nase und erhält aufgrund ihrer natürlichen Form nicht mehr Aufmerksamkeit als notwendig. “

Was verursacht eine Nasenatmungsbehinderung?

Das Gefühl der uneingeschränkten Nasenatmung
ist ein komplexer medizinischer Sachverhalt. Neben dem nasalen Luftstrom wird die Nasenatmung von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Es gibt keinen definitiven Schwellenwert für die Funktion der nasalen Atemwege, bei welchem eine symptomatische Obstruktion auftreten würde. Vielmehr ist der Schwellenwert der nasalen Obstruktion individuell und von Person zu Person unterschiedlich.

Die Variationen der Form der äußeren und inneren Nase tragen zur Erhöhung des Widerstandes innerhalb der Nase maßgeblich bei. So verringert eine vergrößerte untere Nasenmuschel das Volumen des Luftstromes durch die Nase und erhöht den Widerstand. Natürlich wird Gleiches durch ein schiefes Nasenseptum bzw. eine ausladende Leiste der Nasenscheidewand verursacht. Das Ausmaß der nasalen Obstruktion korreliert mit dem Ausmaß der anatomischen Variation der inneren Nase.

Die innere Nasenklappe
ist besonders zu erwähnen ist . Sie ist eine schlitzförmige Öffnung, die zwischen der Nasenscheidewand und den oberen Dreiecksknorpeln auf Höhe des Kopfes der unteren Nasenmuschel im Naseneingang zu finden ist. Die innere Nasenklappe ist der schmalste und engste Bereich, den die durchströmende Luft innerhalb der Nase passieren muss. Daher befindet sich in der Region der inneren Nasenklappe auch der größte Widerstand für den Luftstrom. Man nennt diese Region auch „minimal cross sectional area“. Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass hinter dieser minimal cross sectional area nur noch wenig Einfluss auf den Widerstand des Luftstromes und somit auf die subjektive Wahrnehmung einer Nasenatmungsbehinderung passiert.

Die innere Nasenklappenregion
ist die am häufigsten verursachende anatomische Region bei Patienten, die eine signifikante, pathologische Nasenatmung vorweisen.

Die innere Nasenklappenregion und deren Grenzen wird durch mobile, teils bei der Atmung bewegliche und teils starre Komponenten gebildet. Dies gibt der Region ihren dynamischen Charakter. Der laterale Anteil der inneren Nasenklappenregion besteht aus dem knöchernen Anteil der Nasenpyramide. Da dieser, analog zur minimal cross section area, nicht auf abschwellende Maßnahmen, wie sie bei der Rhinomanometrie (Verfahren zur Messung des Luftstroms durch die Nase) angewendet werden, reagiert, ändert sich auch der Widerstand dieser Region nach abschwellenden Maßnahmen nicht oder nur geringfügig. Daher ist der Rhinomanometriebefund nicht immer richtungsweisend für das Ausmaß einer verstopften Nase.

Jegliche Veränderungen in den Dimensionen der inneren Nasenklappenregion wird zu einer Veränderung der minimal cross sectional area führen und so den Widerstand des Luftstromes exponentiell beeinflussen. Daher führen bereits minimale Veränderungen im Durchmesser (1-2 mm) der minimal cross sectional area zu ausschlaggebenden Veränderungen im Widerstand des Luftstromes in der Nase.

Dieser exponierende Faktor liegt bei der operativen Korrektur Der Nasenscheidewand und Ihrer anatomischen Varianten oder der Nasenmuschelhyperplasie nicht vor.

Was ist wichtig für die nasenerweiternde Chirurgie?

Das Wissen um das Hagen-Poiseuille’sche Gesetz.
Es beschreibt, dass der Widerstand einer laminaren Strömung umgekehrt proportional zur vierten Potenz des Radius ist. Das bedeutet, dass der Strömungswiderstand sehr stark vom Radius bzw. Durchmesser eines Rohres oder eben der inneren Nase abhängt. Verringert man den Durchmesser um die Hälfte, so wird bei einer laminaren Strömung der Strömungswiderstand auf das 16-fache ansteigen.

Kreisrunde Querschnittsflächen, wie bei einem Rohr, kommen in den menschlichen Atemwegen nicht vor. Außerdem zeigen sich in der inneren Nase bei In- und Exspiration sowohl laminare als auch turbulente Strömungsanteile. Für das innere der Nasen bedeutet dies, dass je mehr eine gleich große Querschnittfläche spaltförmig ist nimmt der Widerstand des Luftstromes weiter zu.

Das Wissen um den Bernoulli-Effekt.
Dieser Effekt beschreibt die Abnahme des Druckes bei Beschleunigung einer Strömung. Kommt es zu einer Abnahme des Druckes im Naseneingang, sprich zu einem Unterdruck aufgrund eines verringerten Durchmessers wird die mobile Nasenseitenwand stärker beansprucht und die ovale Querschnittsfläche des Naseneingangs verringert sich weiter. Dies wiederrum erhöht den Widerstand in der Nase aufgrund des Hagen-Poiseuille’schen Gesetz.

Der Unterschied zwischen der operativen Begradigung der Nasenscheidewand und
einer operativen Formveränderung der inneren und äußeren Nase.

Septumplastik

Die Begradigung der Nasenscheidewand
kann in vielen Fällen die nasale Obstruktion ausreichend positiv beeinflussen. Steht die Nasenscheidewand allerdings auf dem Oberkieferknochen (Spina nasalis anterior) in der richtigen, mittigen Position und sind die Naseneingänge anatomisch regelrecht und ausreichend weit, so liegt die Ursache für die Nasenatmungsbehinderung, wie oben beschrieben, oft im Bereich der inneren Nasenklappenregion.

Die Beseitigung eines Vomersporns und/oder die Operation an den unteren Nasenmuscheln haben ebenfalls Einfluss auf die Obstruktion des nasalen Luftflusses, allerdings ist der subjektive als auch der objektive Effekt auf die Nasenatmung oft für einen postoperativ zufriedenen Patienten nicht ausreichend.

Septorhinoplastik

Die operative Formveränderung der inneren und äußeren Nase
ist im Gegensatz zur Septumplastik eine Operation, bei der die innere Nasenklappenregion adressiert werden kann. Die vermutlich effektivste operative Maßnahme ist hierbei das Einsetzen von Spreizknorpeltransplantaten (spreader grafts), die das vordere Ende der Dreiecksknorpel auf beiden Seiten wenige Millimeter von der Nasenscheidewand abspreizen und so die innere Nasenklappenregion erweitern. Weitere Maßnahmen, die Einfluss auf den Durchmesser der inneren Nasenklappenregion nehmen, sind ebenfalls ausschließlich operative Methoden, die im Rahmen einer Septorhinoplastik durchgeführt werden. Hierzu zählt das Durchführen von Osteotomien, die eine Mobilisation des starren, sprich knöchernen Anteils der Nase, ermöglichen und zum anderen die Stabilisierung des Weichgewebes der lateralen Nasenwand über Knorpeltransplantate auf oder unter dem Flügelknorpel zur Erhöhung der Rigidität und des Widerstandes des Knorpels. Dies wirkt dem Bernoulli-Effekt bei Inspiration entgegen.